Veneers ohne Abschleifen?

Dr. Jacqueline Kovacevic, Zahnärztin · KOVIVA Dental Studio, Wien

Was wirklich dahintersteckt

Veneers sind dünne Keramikschalen, die auf die Vorderseite eines Zahns geklebt werden. Kaum eine Behandlung wird so häufig mit dem Versprechen beworben, sie komme „ganz ohne Abschleifen“ aus.


Wir erklären, was an diesem Versprechen stimmt, was man über die Haltbarkeit von Veneers wissen sollte und wann wir zu einer anderen Lösung raten.

Müssen Zähne für Veneers abgeschliffen werden?


WIE VIEL ZAHNSUBSTANZ EIN VENEER WIRKLICH BRAUCHT


In den meisten Fällen ja, aber deutlich weniger, als viele Menschen vermuten.


Bei einer klassischen Veneerpräparation werden an der Vorderseite des Zahns meist einige Zehntelmillimeter abgetragen. In vielen Fällen sind es etwa 0,3 bis 0,7 Millimeter.


Zum Vergleich: Für eine Krone muss ein Zahn rundherum und deutlich stärker reduziert werden. Ein Veneer ist also grundsätzlich eine wesentlich substanzschonendere Versorgung als eine Krone.


Entscheidend ist aber nicht nur, wie viel Zahnsubstanz entfernt wird, sondern auch, wo präpariert wird. Wenn die Präparation im Zahnschmelz bleibt, ist die Klebeverbindung besonders zuverlässig. Je mehr Dentin freiliegt, desto anspruchsvoller und anfälliger wird die Versorgung.


Deshalb planen wir Veneers so, dass möglichst viel gesunder Zahnschmelz erhalten bleibt. Dazu gehören eine genaue Analyse, eine digitale Planung und die Frage, ob ein Veneer in diesem Fall überhaupt die beste Lösung ist.

Was sind Non-Prep-Veneers?


WARUM „OHNE SCHLEIFEN“ NICHT AUTOMATISCH SCHONENDER BEDEUTET


Non-Prep-Veneers werden auf den weitgehend unbeschliffenen Zahn geklebt. Das kann in bestimmten Situationen funktionieren, zum Beispiel wenn ein Zahn sehr klein ist, etwas weiter innen steht oder genügend Platz für die zusätzliche Keramik vorhanden ist.


Wenn dieser Platz nicht vorhanden ist, trägt das Veneer zusätzlich auf. Der Zahn kann dadurch dicker wirken. Auch am Übergang zum Zahnfleisch kann eine Stufe entstehen, die schwieriger zu reinigen ist.


„Ohne Abschleifen“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Behandlung langfristig schonender ist. Ein Veneer wird dauerhaft mit dem Zahn verklebt. Wenn es später verändert oder entfernt werden soll, ist das nicht immer möglich, ohne dabei Zahnsubstanz zu verlieren.


Für uns ist eine Behandlung dann besonders substanzschonend, wenn sie von Anfang an gut geplant ist, möglichst viel Zahnschmelz erhält und keine unnötige Behandlung erforderlich macht.

Wie lange halten Veneers?


WAS LANGZEITSTUDIEN ZEIGEN


Keramikveneers gehören zu den gut untersuchten ästhetischen Versorgungen. Eine Langzeitstudie der Medizinischen Universität Innsbruck mit 318 Veneers ermittelte eine Überlebensrate von 93,5 Prozent nach zehn Jahren und rund 83 Prozent nach zwanzig Jahren (Beier et al., 2012).


Eine weitere Übersichtsarbeit über 25 Studien mit insgesamt rund 6.500 Veneers kam auf eine Überlebensrate von 95,5 Prozent nach zehn Jahren (systematische Übersicht, 2021).


Solche Zahlen sind hilfreich, sagen aber nicht voraus, wie lange ein einzelnes Veneer bei einer bestimmten Person halten wird. Das hängt unter anderem von der Präparation, der Klebetechnik, der Qualität der Keramik, der Bisssituation und der täglichen Belastung ab.


Ein erhöhtes Risiko besteht beispielsweise bei starkem Zähneknirschen. Auch bei wurzelbehandelten oder bereits stark geschwächten Zähnen muss besonders sorgfältig geprüft werden, ob ein Veneer die richtige Versorgung ist.


Wichtig ist für uns außerdem, was mit dem Zahn darunter passiert. Wenn nach vielen Jahren nur das Veneer erneuert werden muss und der Zahn selbst gesund geblieben ist, war die Behandlung aus unserer Sicht erfolgreich.

Wann sind Veneers sinnvoll?


DIE RICHTIGE LÖSUNG FÜR DEN RICHTIGEN ZAHN


Veneers können sinnvoll sein, wenn ein Frontzahn bereits einen größeren Defekt oder eine große Füllung hat, dauerhaft verfärbt ist oder sich mit einer schonenden Kompositversorgung nicht ausreichend ästhetisch und funktionell versorgen lässt.


Auch bei bestimmten Formveränderungen oder ausgeprägten Größenunterschieden können Veneers eine gute Lösung sein.


Bei jüngeren Patientinnen und Patienten arbeiten wir häufig lieber mit Komposit. Komposit lässt sich sehr fein modellieren, kontrolliert wieder entfernen und bei Bedarf neu aufbauen.


Bei unbehandelter Karies oder starkem Zähneknirschen behandeln wir zuerst die Ursache. Wir raten auch dann von Veneers ab, wenn dadurch eine andere, langfristig sinnvollere Lösung möglich ist.

Veneers bei schiefen Zähnen


ERST DIE STELLUNG, DANN DIE FORM


Viele Menschen interessieren sich für Veneers, weil einzelne Zähne verdreht stehen oder kleine Lücken vorhanden sind. Wenn schiefe Zähne jedoch mit Keramik „geradegestellt“ werden sollen, müsste an den vorstehenden Stellen teilweise viel gesunde Zahnsubstanz abgetragen werden.


Oft ist es schonender, die Reihenfolge zu verändern. Zuerst werden die Zähne mit einer durchsichtigen Zahnspange in eine günstigere Position gebracht. Danach genügt häufig eine kleine Kompositkorrektur oder ein einzelnes Veneer.


Dadurch muss deutlich weniger oder manchmal gar keine Zahnsubstanz entfernt werden. Genau deshalb ist es sinnvoll, vor einer Veneerbehandlung auch kieferorthopädische Möglichkeiten zu prüfen.

Was sollte vor Veneers beachtet werden?


DIE PLANUNG BEGINNT NICHT MIT DER KERAMIK


Vor der Behandlung beurteilen wir die Zähne, das Zahnfleisch, die Bisssituation und die vorhandenen Restaurationen. Auch die gewünschte Zahnform und Zahnfarbe müssen besprochen werden.


Wenn die Zähne insgesamt heller werden sollen, sollte ein Bleaching vor der Veneerplanung erfolgen. Die Farbe von Keramik lässt sich nachträglich nicht mehr verändern.


Auch die Zahnstellung sollte vor der endgültigen Planung berücksichtigt werden. Manchmal kann bereits eine kieferorthopädische Behandlung oder eine Kompositversorgung das gewünschte Ergebnis mit deutlich weniger Eingriffen erreichen.

Fazit


Veneers verändern nicht den ganzen Zahn, sondern nur den sichtbaren Teil, der tatsächlich verändert werden soll. „Ohne Abschleifen“ ist dabei kein Qualitätsmerkmal für sich.


Entscheidend ist eine Planung, die möglichst viel gesunden Zahnschmelz erhält, eine zuverlässige Klebetechnik ermöglicht und die langfristige Gesundheit des Zahnes berücksichtigt.


Manchmal ist ein Veneer die beste Lösung. Manchmal ist Komposit sinnvoller, manchmal eine kieferorthopädische Behandlung. Und manchmal raten wir auch von einer ästhetischen Versorgung ab.


Wenn Sie wissen möchten, welche Möglichkeit für Ihre Zähne sinnvoll ist, klären wir das gerne in einem persönlichen Erstgespräch in unserem Dental Studio am Opernring in Wien.


Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Fachlich geprüft von Dr. Jacqueline Kovacevic.

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Lächelnde Frau in medizinischer Kleidung am Empfangstresen mit Laptop, Praxis KOVIVA DENTAL

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