
Was ist ein Glasfasernetz?
Dr. Jacqueline Kovacevic, Zahnärztin · KOVIVA Dental Studio, Wien
Ein feines Netz für stark geschwächte Zähne
Im Detail liegt die Qualität. Das gilt besonders bei großen Kompositfüllungen.
Bei besonders großen Kompositfüllungen arbeiten wir ein feines Glasfasernetz in den Aufbau ein. Später ist davon nichts mehr zu sehen.
Das Glasfasernetz dient nicht einfach dazu, die Füllung härter zu machen. Es hilft dabei, Spannungen innerhalb des Kompositaufbaus besser zu verteilen, insbesondere bei tiefen und stark umschlossenen Defekten. Dadurch kann die Belastung der Klebeverbindung zum Zahn reduziert werden.
Was ist ein Glasfasernetz?
GLASFASERN, DIE IN KOMPOSIT EINGEARBEITET WERDEN
Ein Glasfasernetz besteht aus vielen dünnen Glasfasern, die miteinander verbunden und zu einer netzartigen Struktur verarbeitet werden.
Bei der Behandlung wird das Netz in den Kompositaufbau eingearbeitet und vollständig von Komposit umschlossen. Es liegt flächig innerhalb der Füllung und kann dort dazu beitragen, Spannungen besser zu verteilen.
Warum wird das Netz in eine bestimmte Schicht eingearbeitet?
SCHICHT FÜR SCHICHT ZUM STABILEN AUFBAU
Eine hochwertige Kompositfüllung wird nicht einfach in einem einzigen großen Block in den Zahn eingebracht. Das Material wird in mehreren Schichten verarbeitet und jeweils sorgfältig ausgehärtet.
Bei tiefen und großen Defekten entstehen während der Aushärtung Spannungen. Komposit zieht sich beim Polymerisieren, also beim Aushärten, geringfügig zusammen. Je stärker das Material durch die Kavität begrenzt ist, desto schwieriger kann es sein, diese Spannungen auszugleichen.
Das Glasfasernetz wird deshalb gezielt in eine bestimmte Schicht des Aufbaus eingearbeitet. Es hilft dabei, die auftretenden Spannungen besser zu verteilen und die Belastung der Verbindung zwischen Zahn und Komposit zu reduzieren.
Anschließend wird das Netz vollständig mit Komposit umschlossen. Am Ende ist davon nichts mehr sichtbar.
Was hat der C-Faktor damit zu tun?
WENN VIELE FLÄCHEN GEBUNDEN UND NUR WENIGE FREI SIND
Der sogenannte C-Faktor beschreibt das Verhältnis zwischen gebundenen und freien Flächen einer Kompositfüllung.
Bei einer tiefen Kavität sind viele Flächen des Komposits mit dem Zahn verbunden, während nur eine vergleichsweise kleine Fläche frei liegt. Dadurch kann die Polymerisationsschrumpfung nicht einfach über eine freie Oberfläche ausgeglichen werden. Es können Spannungen innerhalb der Füllung und an der Klebeverbindung entstehen.
Der C-Faktor wird durch das Glasfasernetz nicht tatsächlich kleiner. Das Netz kann jedoch dabei helfen, die Auswirkungen dieser Spannungen besser zu kontrollieren und innerhalb des Aufbaus zu verteilen.
Wann kann ein Glasfasernetz sinnvoll sein?
GROSSE DEFEKTE, DÜNNE WÄNDE UND GESCHWÄCHTE ZÄHNE
Ein Glasfasernetz kann vor allem bei größeren Kompositaufbauten im Seitenzahnbereich sinnvoll sein. Zum Beispiel bei großen Defekten, sehr dünnen Zahnwänden, starkem Verlust von Zahnsubstanz oder bei ausgewählten wurzelbehandelten Zähnen.
Bei wurzelbehandelten Zähnen ist häufig besonders viel Zahnsubstanz verloren gegangen. Deshalb ist es wichtig, die noch vorhandene Zahnsubstanz möglichst sinnvoll zu nutzen und die Belastung innerhalb des Aufbaus zu kontrollieren.
Bei kleineren Defekten kann ein Komposit verwendet werden, das bereits kurze, im Material verteilte Glasfasern enthält. Diese Fasern sind nicht zu einem Netz verbunden und müssen nicht separat in den Zahn eingearbeitet werden.
Bei größeren und tieferen Aufbauten kann zusätzlich ein zusammenhängendes Glasfasernetz in den Kompositaufbau eingearbeitet werden.
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Größe und Lage des Defekts, der verbleibenden Zahnsubstanz, der Belastung des Zahnes und der individuellen Bisssituation ab.
Welche Grenzen gibt es?
EIN GLASFASERNETZ ERSETZT KEINE SORGFÄLTIGE BEHANDLUNGSPLANUNG
Ein Glasfasernetz ist nicht für jeden Zahn geeignet. Wenn ein Zahn sehr stark geschwächt ist, kann ein Overlay oder eine andere indirekte Versorgung die passendere Lösung sein.
Auch die Verarbeitung spielt eine entscheidende Rolle. Der Zahn muss während der Behandlung absolut trocken bleiben. Deshalb arbeiten wir bei solchen Restaurationen unter Kofferdam.
Ebenso wichtig sind eine sorgfältige Klebetechnik, die richtige Positionierung des Netzes und ein schichtweiser Aufbau ohne Zeitdruck.
Zusätzlich müssen die Bisssituation und mögliche Knirschbelastungen berücksichtigt werden.
Welche Versorgung zu einem Zahn passt, lässt sich daher erst nach einer Untersuchung und, wenn notwendig, einer Röntgendiagnostik beurteilen.
Fazit
Ein Glasfasernetz wird bei ausgewählten großen Kompositfüllungen in den Aufbau eingearbeitet. Es soll nicht einfach nur dafür sorgen, dass die Füllung härter wird.
Vielmehr kann es dabei helfen, Spannungen innerhalb des Kompositaufbaus besser zu verteilen, die Auswirkungen der Polymerisationsschrumpfung zu kontrollieren und die Belastung der Klebeverbindung zum Zahn zu reduzieren.
Bei kleineren Defekten können Komposite mit kurzen, im Material verteilten Glasfasern verwendet werden. Bei größeren und tieferen Aufbauten kann ein zusammenhängendes Glasfasernetz sinnvoll sein.
Es ist ein kleines Detail, das innerhalb einer sorgfältig geplanten und schichtweise aufgebauten Füllung eine wichtige Rolle spielen kann.
Wenn bei Ihnen eine große Füllung, ein umfangreicher Zahnaufbau oder eine Krone im Raum steht, besprechen wir gerne, ob eine substanzschonendere Versorgung mit einem eingearbeiteten Glasfasernetz möglich und sinnvoll ist. Vereinbaren Sie dazu ein Erstgespräch in unserem Dental Studio am Opernring in Wien.
Dieser Beitrag ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Fachlich geprüft von Dr. Jacqueline Kovacevic.


